Vereinschronik

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Im Jahre 1882 fing alles an

Bei der Erarbeitung der Vereinschronik für die Festschrift zum 75-jährigen Bestehen, stieß Prof. Dr. Hugo Ott, der Bruder des damaligen Vorsitzenden, überraschenderweise im Badischen Generallandesarchiv in Karlsruhe auf alte Vereinsdokumente. Er fand Statuten des Turnverein Königshofen aus dem Jahre 1882. Schön geschrieben und vom Bezirksamt Tauberbischofsheim wohlverwahrt. Mit einem Schreiben vom 19. Juli 1882 an das wohllöbliche Großherzogliche Bezirksamt Tauberbischofsheim richtete der 1. Vorstand Jakob Hirth im Auftrag des Vereins ergebenst die Bitte um die Genehmigung der Statuten. Am 2. August 1882 teilt der Gemeinderat von Königshofen mit, dass er gegen die Bildung eines Turnvereins dahier, sowie gegen die unterzeichneten Mitglieder nichts einzuwenden habe. Einer Genehmigung seitens des Großherzoglichen Bezirksamtes bedarf es nicht nach einer Mitteilung vom 4. VIII 82. Damit ist der eindeutige Beweis erbracht, dass die Gründung des Turnverein Königshofen bereits 1882 erfolgte. Der §1 der Statuten aus dem Jahr 1882 sagt aus: „Zweck des Vereins ist: Körperliche Ausbildung mit der besonderen Berücksichtigung zur Ausbildung der Feuerwehr und dem nächstigen Tragen der Waffen“. Also, auch die bereits 1861 gegründete Feuerwehr war mit dem Turnverein verbunden. Es müssen personelle Querverbindungen zwischen Turnverein, Feuerwehr und Militärverein, ebenfalls 1882 gegründet, bestanden haben. Man kann davon ausgehen, dass die Aktivitäten der drei Vereine ineinander gingen. Bislang konnten weitere Unterlagen nicht gefunden werden. Aber: In einer Tonaufzeichnung aus dem Jahr 1981 sagte das damals 78jährige Ehrenmitglied Martin Ott, dass bereits in den siebziger und achtziger Jahren ein Turnverein in Königshofen bestand. Auch der Rückblick auf die erneute Gründung im Jahr 1912 wird außerordentlich erschwert, weil die Vereinsstatuten und die Vereinsfahne am 1. April 1945 bei der Zerstörung Königshofens im 2. Weltkrieg verbrannt und vernichtet wurden. Der vorliegende Bericht stützt sich im Wesentlichen auf eine Zusammenstellung mit Hilfe von Erinnerungsberichten älterer Turner vom 20.09.1952 aus Anlass des 40jährigen Bestehens, die sich in den Akten befanden. Scheinbar unwissend, dass bereits seit 1882 ein Turnverein bestand (eigentlich unverständlich, weil 30 Jahre nach Gründung durchaus noch Zeitzeugen hätten leben müssen) gründeten am 17. Mai 1912 27 Bürger Königshofens einen Turnverein und ließen diesen mit Schreiben vom 26. Juni 1924 in das Vereinsregister beim Amtsgericht Tauberbischofsheim eintragen. Ihre Namen seien hier festgehalten: Karl Bender, Franz Epp, Peter Imhof, K. Kohlschneider, Emil Neckermann, Anton Ott, Karl Schad, Wilhelm Sieber, Franz Spänkuch, Alfons Stein, Hugo Strebel, Josef Wiel, Emil Dietz, Andreas Imhof, Anton Freitag, Otto Köhler, Wilhelm Michelbach, Edmund Öhlmann, Adolf Schad, Josef Schönleber, Albert Sinzer, Albert Stein, Peter Stein, Eugen Wiel und Karl Wiel.

 

 

Schon 1922 konnte das Bezirksturnfest, verbunden mit der Fahnenweihe, in Königshofen durchgeführt werden. Doch im Vorfeld der Fahnenweihe gab es einige Turbulenzen, da 1921 eine Damenriege im Turnverein Königshofen aufgebaut worden war – für den damaligen Stadtpfarrer Karl Schmitt ein untragbarer Zustand. Am 18. März 1926 wurde die Kleinkaliberschützenabteilung in die Satzung aufgenommen. 1928 trat Hauptlehrer Heinrich Stetter die Nachfolge im 1. Vorsitz an. Sein Hauptverdienst beruhte in der organisatorischen Glanzleistung der Regelung der Platzfrage für den Turnhallenbau. Einen Höhepunkt im Vereinsleben, stellte das große Gauturnfest vom 29. Juni 1929 dar, das vom Turnverein ausgerichtet wurde. Danach lief der Turnbetrieb ohne größere Veranstaltungen bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges 1939 weiter. Nach Überwindung der Nachkriegswirren schickte sich der Turnverein an baldmöglichst normale Verhältnisse herbeizuführen. In dieser Zeit berief, auf Veranlassung des Amtsgerichts Tauberbischofsheim, der vor dem Zusammenbruch als Vorstand des Vereins im Vereinsregister eingetragene 1. Vorstand Karl Schad eine außerordentliche Versammlung aller am Turnverein Interessierten ein. Zu dieser anberaumten Versammlung am 17. Februar 1950 in der Gaststätte „Michel“ kamen 47 Turner. Einstimmig wurde die Wiederbelebung des Vereins beschlossen und die weitere Ruhetätigkeit des TV als sichtbares Zeichen der Auflösung abgelehnt. Karl Schad wurde in seinem Amt bestätigt und ein funktionsfähiger Turnrat gebildet.

 

Der 1. Vorsitzende Karl Schad hatte sogleich einige Hindernisse zu bewältigen, so musste er bei seinem Amtsantritt erklären, dass der Turnverein nicht dem N. S. Reichsbund angehörte und eine eidesstattliche Erklärung abgeben, dass das Vereinsvermögen von der Militärregierung nicht gesperrt sei. So war es nicht verwunderlich, dass bald ein reger Turnbetrieb herrschte, der größtenteils im Schülerinnen- und Schülerturnen durchgeführt wurde, hatte der Zweite Weltkrieg doch einen Großteil der aktiven Turner hingerafft. Fehlte auch ein Teil der erforderlichen Turngeräte, so wurde dies eben hingenommen, in der Hoffnung, dass diese Geräte in nächster Zeit angeschafft werden sollten. Das 40jährige Vereinsjubiläum wurde mit der gesamten Turnerfamilie in einem bescheidenen Rahmen gefeiert. Doch bereits im August 1953 fand das Kreisturnfest in Königshofen statt, und der damals schon überaus engagierte Verein konnte stolz seine neue Vereinsfahne segnen lassen. Als Festplatz diente die stadteigene Insel an der Aeckerle-Mühle. Wenn auch die Wetterverhältnisse nicht sehr günstig für die Abhaltung eines Turnfestes waren, so war doch die Veranstaltung aus turnerischer Sicht ein großer Erfolg. Neben den Wettkämpfen erfreuten erste Schauvorführungen das Publikum. Unvergesslich dürfte die Totenehrung vor der Stadtkirche in Erinnerung bleiben, hatte doch auch der Turnverein viele Mitglieder im noch nicht lange zurückliegenden 2. Weltkrieg verloren.

 

Das Vereinsleben wurde im sportlichen und gesellschaftlichen Bereich immer weiter ausgebaut und aktiviert. Als 10 Jahre später der 1. Vorsitzende Karl Schad und der 2. Vorsitzende Hermann Ott im Frühjahr 1962 kurz nacheinander verstarben, wurde am 16. Februar 1962 Willi Ott zum komm. Vorsitzenden bestimmt und am 05. Mai 1962 in der Generalversammlung zum 1. Vorsitzenden gewählt. Mit seinen 28 Jahren dürfte er einer der jüngsten Vorsitzenden seiner Zeit gewesen sein. Durch die Fertigstellung der neuen Turnhalle im Jahre 1966 und die Gewinnung ausgebildeter Übungsleiter bekam der Turnbetrieb einen erneuten Aufschwung. Von Otto Stahl wurde 1968 das Hausfrauenturnen angeregt, das bald großen Anklang fand. Die aktive, kreative Mitarbeit der Frauen im Verein wirkt sich bis heute vorteilhaft auf die Vereinsstruktur aus. Aber auch das Streben nach anderen sportlichen Aktivitäten war zu spüren. So wurde 1967 von Walter Bieber die Abteilung Handball gegründet. Sie hat mit ihren Erfolgen den TV Königshofen weit über die Grenzen des Main-Tauber-Kreises bekannt gemacht. Das Kinder- und Schülerturnen sowie das Jugendturnen nimmt wie eh und je einen wichtigen Platz in der Arbeit des TV Königshofen ein. Mit Befriedigung kann konstatiert werden, dass gerade zu diesen Abteilungen ein großer Andrang besteht. Mit der Durchführung des ersten Jugendzeltlagers wurde ein zusätzliches Angebot für Kinder auch außerhalb der üblichen Übungsstunden geschaffen. Es fand stets guten Zuspruch und trägt dazu bei, das Vereinsleben interessanter zu gestalten. 1972 erweiterte der Turnverein wieder sein Freizeitangebot. Wolfgang Krüger führte das „Jedermannsturnen“ ein. Nach anfänglichen Schwierigkeiten wurde erkannt, dass Bewegung und geselliges Beisammensein die Lebensqualität steigert, ja erhält. Der Verein erfährt abermals eine Verstärkung. Unter all diesen Entwicklungen feierte der Turnverein 1972 sein 60-jähriges Bestehen mit einem abwechslungsreichen Programm. Mit Fackelzug, Festbankett, Schauturnen, Wettkämpfen, Festgottesdienst, Festzug und Tanz begeisterte er Turner und Gäste gleichermaßen. Turnerinnen und Turner des TB Jahn Seckenheim waren auch bei diesen Feierlichkeiten wieder mit dabei. Eine langjährige Freundschaft entstand durch die Übernahme der Patenschaft 1976 zum TV-Sachsenflur, die später (1997) zur Handballgemeinschaft Königshofen-Sachsenflur führen sollte. Die Königshöfer Messe, ein Höhepunkt eines jeden Kalenderjahres, bestand 1980 seit 450 Jahren. Mit einem der größten historischen Umzüge, es nahmen über 1.300 Königshöfer Bürger teil, feierte die Stadt dieses Ereignis. Alle Vereine waren eingebunden, in großer Zahl auch der Turnverein.

 

Ideen gehen dem TV nicht aus: 1981 lädt dieser seine Übungsleiterinnen und Übungsleiter zu seiner ersten Winterfreizeit im Bregenzer Wald ein. Unvergessliche Winterfreuden knüpfen sich an diese Erlebnisse, die bis heute Bestandteile im Jahresprogramm sind. Die positive Entwicklung des Turnvereins, der Mitgliederzuwachs und das sportliche Angebot machten es erforderlich die Trainingsstätte zu erweitern. Vorstandschaft und Mitglieder waren sich einig: die vorhandene Turnhalle muss neu strukturiert und erweitert werden. 1983 begannen die zähen Verhandlungen um 10qm Gelände östlich der Halle. Der TV befasste sich erneut mit einer An- und Umbaumaßnahme größeren Ausmaßes. Unter der Bauleitung von Josef Schäffner und Waltraud Grünewald plante der Bauausschuss den Anbau in nördlicher Richtung und den Sportler-Eingang im Osten, sowie einschneidende Veränderungen im Innenraum. Von der Hauptversammlung wurden die Baumaßnahmen einstimmig beschlossen. Unglücklicherweise kam es bei der Demontage der Heizungsanlage zu einer Staubexplosion und einem Großbrand am 13. September 1986, bei dem die Turnhalle enormen Schaden nahm. Mit einem großartigen Arbeitseinsatz erreichten die Mitglieder, dass 8 Tage danach, rechtzeitig zum Beginn der Königshöfer Messe der Wirtschaftsbetrieb, zwar improvisiert, aber erfolgreich ablaufen kann. Das Jubiläum im darauf folgenden Jahr musste wieder einmal um ein Jahr verschoben werden. Das Jubiläum zum 75jährigen Bestehen setzte 1988 erneut Glanzpunkte in der Vereinsgeschichte. Eine neue Vereinsfahne wurde während des Festgottesdienstes gesegnet. Die Aufführung des tanzchorischen Zyklus „Geschöpfe“ durch Turnerinnen des TSV Karlsruhe-Rintheim am Festbankett wurde zu einem besonderen Höhepunkt. Nach einem Fackelzug durch die Straßen von Königshofen wurde den Gästen und Besuchern in der Tauber-Franken-Halle ein Sportabend mit anspruchsvollen Aufführungen geboten. Das Jubiläum klang am Sonntag bei einem Frühschoppen der mit Liedvorträgen des Gesangsvereins Germania Frankfurt-Sindlingen umrahmt wurde aus.

 

Als vom Badischen Sportbund eine organisierte Vereinsjugend gewünscht wurde, die innerhalb des Vereines mit eigener Satzung agieren kann, wird dies 1992 vom Turnverein umgesetzt. Damit können Jugendliche ab 12 Jahren ihren Jugendleiter wählen. Hintergrund ist „Das Hinführen junger Menschen zum Übernehmen eines verantwortungsvollen Amtes“. Martin Frank wird 1. Jugendleiter im TV. Trotz Baumaßnahmen und Jubiläumsveranstaltungen war der Blick des Turnvereins auch stets auf das sportliche Angebot und eine Weiterentwicklung gerichtet. Hier wollte man immer mit der Zeit gehen. Neue sportliche Trends flossen in die Übungsstunden ein, das Trainingsangebot wurde durch das Eltern-Kind-Turnen, der Fitnessgymnastikgruppe und einer Männerseniorengruppe erweitert. Alle Turn- und Gymnastikgruppen verzeichneten einen Aufwärtstrend. Im Handballsport trug man sich mit dem Gedanken eine Spielgemeinschaft mit dem TV Sachsenflur zu bilden und setzte dies auch1997 mit großem Erfolg um. Auch in der Vereinsführung strebte der Turnverein neue Wege an. Die Aufgaben sollten auf mehrere Schultern verteilt werden, die Übernahme eines Vorstandspostens somit erleichtert. 1998 wird das Amt des 1. Vorsitzenden in der Hauptversammlung gesplittet und der Beschluss in das Vereinsregister beim Amtsgericht Tauberbischofsheim eintragen. Es fungieren nunmehr zwei gleichberechtigte Vorstände, Willi Ott und Waltraud Grünewald. In Waltraud Grünewald hat der Verein eine Vorsitzende, die im Verein aufgewachsen ist und beste Voraussetzungen für das verantwortungsvolle Amt mitbringt. Als 2. Vorsitzender wird Martin Frank gewählt. Das Amt des Jugendleiters übernimmt Thorsten Schäffner. Durch das vielfältige sportliche Angebot konnte der Turnverein in all den Jahren einen stetig wachsenden Mitgliederzuwachs verzeichnen. So sind zum Jahreswechsel 2002/2003 insgesamt 757 Mitglieder angemeldet. Wie in vielen Turnvereinen haben die Frauen die „Überhand“ (429 weiblich und 328 männlich). Um den Ansprüchen der Mitglieder gerecht zu werden setzt die Vereinsführung auf ausgebildete Übungsleiter und Trainer, die sich stets weiterbilden und somit abwechslungsreiche Stundeninhalte im Erwachsenen- und Kinderbereich anbieten können. Als Willi Ott im April 2004 nach 42 Jahren sein Amt als 1. Vorsitzenden abgibt, trat der erst 27jährige Thorsten Schäffner an seine Stelle. Mit dem Schwung der Jugend, den er bereits als Jugendleiter unter Beweis gestellt hatte, steht er nunmehr gemeinsam mit Waltraud Grünewald an der Spitze des Vereins. Unter Willi Ott entwickelte sich der Turnverein Königshofen zu einem leistungsstarken Verein. Für seine Verdienste ernannte ihn der Verein zum Ehrenvorsitzenden.

 

Zu einem besonderen Höhepunkt wurde im Mai 2005 für 57 Turnerinnen und Turner das Deutsche Turnfest in Berlin. Unter dem Motto „Berlin bewegt uns“ war klar, dass die Hauptstadt, sei es kulturell wie sportlich, vieles zu bieten hatte. Die Teilnahme am Wettkampf war für alle ein „muss“, der Besuch des Badischen Abends im Potsdamer Bahnhof ein voller Erfolg. Bei all den zahlreichen Aktivitäten auf dem sportlichen Sektor, darf die Leistung des Wirtschaftsauschusses nicht unterschätzt werden. Durch umsichtiges Wirken und viel Engagement dieses Gremiums wurde die Finanzierung der vereinseigenen Turnhalle und deren Umbaumaßnahmen und nicht zuletzt ein Großteil des Sportbetriebes ermöglicht und bis heute gewährleistet. Ein besonderes Maß an Einsatz zeigten hier in vielen Jahren Luzia und Karl Michelbach. Aber auch die vielen Arbeitseinsätze aller Mitglieder bei den Großveranstaltungen wie „Lumpemball“ und die Bewirtschaftung der Turnhalle an der Königshöfer Messe sollen nicht unerwähnt bleiben und bedürfen eines herzlichen Dankes. Ein besonderer Gewinn für den Turnverein ist auch Marianne Boger, die neben ihrer Übungsleitertätigkeit, seit April 1986 die Kassengeschäfte des Vereins verantwortungsbewusst und kompetent führt. Für diese besondere Leistung zeichnete sie der Badische Sportbund als eine der wenigen Frauen aus, die solch ein Ehrenamt über zwanzig Jahre begleiten. In der Vorstandssitzung am 2. Dezember 2005 wurde der einstimmige Beschluss gefasst, das 125-jährige Bestehen des Turnvereins gebührend zu feiern. Neben einem Festgottesdienst und Festbankett, soll ein Sportabend das Jahresprogramm ergänzen. Die Ausarbeitung einer Festschrift wird ebenfalls angestrebt. Um einen Festausschuss zu bilden wurde für den 20. Januar 2006 eine Mitgliederversammlung einberufen, in der man Arbeitskreise bildete. Die einzelnen Arbeitskreise trafen sich zu vielen Sitzungen um das vorzubereiten, was für das Jubiläumsjahr getan werden muss und was Programm sein soll. Dabei mussten bis zuletzt immer wieder Änderungen vorgenommen werden. Dass es dennoch ein gelungenes Jubiläumsjahr wird, wünschen sich die Verantwortlichen und Initiatoren für die Veranstaltungen zum 125-jährigen Jubiläum des Turnvereins.