Unsere Heimat

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Geschichte – die gelebte Zeit also – zeigt sich in den Veränderungen des Natur- und Kulturraums, an Bauwerken und in den technischen Neuerungen, somit in allem, was uns Menschen aus früherer Zeit hinterlassen haben. Königshofen ist reich an Geschichte. Nicht unbedingt auf den ersten Blick ersichtlich. Doch es lohnt sich, in dieser Stadt Station zu machen und sich selbst durch den zweiten, den genaueren Blick, zu überraschen. In den Sommermonaten fahren täglich viele Touristen auf den das Ort durchziehenden Bundesstraßen 290 und 292. Zugegeben, entlang dieser Magistralen findet man kaum etwas, was es lohnenswert erscheinen ließe, eine Rast einzulegen. Zu deutlich hat hier der 2. Weltkrieg und das Inferno des 1. April 1945 seine Spuren hinterlassen. Kaum ein Haus in der Hauptstraße im Zentrum Königshofens konnte dem Angriff der amerikanischen Bomber und dem Beschuss an diesem Ostersonntag Stand halten. Nicht das 1566 erwähnte im Fachwerkstil erbaute alte Rathaus und auch nicht die vielen Wirtshäuser, die in früheren Zeiten willkommene Raststätten für Durchreisende darstellten. Nur die „Gans“, auf deren Vorplatz (heute Kreuzung der beiden Bundesstraßen) während der „Badischen Revolution 1848/1849“ eine Kundgebung mit mehreren tausend Menschen stattfand, hat die Zeit überdauert. 75 Prozent der Altstadt wurden an Ostern 1945 zerstört, 12 Zivilisten und über 60 Soldaten kamen in den sinnlosen Kämpfen um Königshofen ums Leben. Besonders am Turmberg, dem „Schicksalsberg“, der Königshofen im Osten mit seinem Wartturm aus dem 16. Jahrhundert überragt, trat die Grausamkeit eines Krieges in erbitterten Stellungskämpfen zu Tage. 420 Jahre zuvor war dieser Berg Schauplatz einer der letzten Schlachten des Bauernkrieges geworden. Hier trafen am 2. Juni 1525 die Söldnertruppen des Bündischen Heeres unter dem Truchseß von Waldburg auf die letzten „Haufen“ der aufständischen Bauern mit Wendel Hippler und Georg Metzler an der Spitze. Mehrere tausend Bauern wurden bei diesem Gemetzel auf brutalste Weise ermordet und der Traum von Freiheit und den „Rechten für den gemeinen Mann“ war für hunderte von Jahren ausgeträumt. Heute kann man den Ort dieser Kämpfe besuchen. Der alte Wartturm wurde im Jahr 2000 durch die Gruppe Historisches & Kulturelles mit großem Aufwand restauriert und sein Umfeld seitdem zu einem lohnenden Ziel einer Wanderung gestaltet. Ein Blick über die Tauber mit den angrenzenden Hügeln, weit ins Umpfertal hinein vom Plateau des Wartturms aus, ist zu jeder Jahreszeit faszinierend. Aber auch im Ort selbst findet der aufmerksame Beobachter so manches geschichtsträchtige Bauwerk. Die neu renovierte Stadtpfarrkirche St. Mauritius beispielsweise, deren Glockenturm im unteren Teil aus dem 12. Jahrhundert stammt, davor der Goode, ehemaliger Zehntspeicher und Verwaltungsgebäude, um 1615 erbaut oder auch in unmittelbarer Nähe gelegen, das so genannte „Michelbach´sche Haus“, ein wunderbar und liebevoll restaurierter Fachwerkbau aus der gleichen Zeit. Als ältestes Bauwerk Königshofens gilt jedoch das „Hohe Haus“. Zwischen 1420 und 1450 erbaut, diente dieses wehrhafte 4-stöckige Gebäude als Amtshaus für die Vertreter der damaligen Mainzer Herrschaft. Es bildete den südöstlichen Eckpunkt innerhalb der Stadtmauer Königshofens. Von dieser zwischen 1583 und 1595 erbauten Ummauerung ist der unterhalb der Hauptstraße gelegene Teil fast vollständig erhalten. Allerdings wurde die Mauer in der Höhe im 19. Jahrhundert eingekürzt und auch der den Ort einst umschließende Graben ist nicht mehr vorhanden. In alten Unterlagen wird von ehemals 5 Türmen berichtet, die zusammen mit der Stadtmauer den alten



 

 

 

Marktflecken „Tauber-Königshofen“ sicherten. Im Sommer 2006 wurden große Teile der Stadtmauer mit Unterstützung der Gruppe Historisches&Kulturelles fachgerecht saniert und der einzige noch in Teilen übrig gebliebene Turm neben der alten Schmiede in mühevoller Handarbeit freigelegt. Die Schmiede diente bis vor 30 Jahren als Hufschmiede und ist heute nahezu unverändert erhalten. Geschichte schreibt Königshofen seit einigen Jahren durch Ausgrabungen des Landesamts für Denkmalspflege. Zwar findet man bis heute kein Hinweisschild auf die seitherigen Funde. Nichts deutet auf die um etwa 4000 v. Chr. ansässigen Schnurkeramiker hin. Dabei wurde am südlichen Ortsrand in den Jahren 1998 und 1999 der größte Friedhof aus dieser Zeit in ganz Süddeutschland freigelegt und archäologisch erfasst. Auf einer Fläche von ca. 1,2 ha fand man damals 55 Gräber, von denen etwa die Hälfte Einzelbestattungen waren, eine absolute Besonderheit und bis dato einmalig in den Aufzeichnungen der Denkmalpfleger. Seit mehreren Jahren ist das Grabungsteam nun am nördlichen Ortsrand tätig. Hierbei wurden bislang Funde aus 7000 Jahren Menschheitsgeschichte zu Tage gebracht und einer wissenschaftlichen Auswertung zugeführt. Diese Grabstätten zählen zu den wertvolleren archäologischen Fundstätten im süddeutschen Raum. Es ist nahe liegend, dass auch im Zentrum von Königshofen schon vor tausenden von Jahren Menschen siedelten. Durch die Wohnbebauung der Neuzeit wurden diese historischen Siedlungsplätze jedoch zerstört. Ein Gang durch Königshofen und seine Flure, die durch zahlreiche landschaftspflegerische Projekte zu Refugien für seltene Pflanzen und Tierarten wurden, ist ein Gang durch die reiche Geschichte des Taubergrunds. Hier gab es viel Leid und Not, aber auch immer wieder Freude und Vergnügen, insbesondere durch die Königshöfer Messe, dem großen tauberfränkischen Markt, der 1530 durch Kaiser Karl V. neu verliehen wurde und zu den ältesten Volksfesten Süddeutschlands zählt.