Aus für den Königshöfer Lumpenball

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Königshofen. 2021 hätte der Königshöfer Lumpenball sein 100-Jahr-Jubiläum feiern können. Kurz vor diesem Jubiläum hat der TV Königshofen als ausrichtender Verein schweren Herzens die Einstellung der Traditionsveranstaltung bekanntgegeben. Im Interview erläutern die beiden Vorsitzenden Waltraud Grünewald und Martin Frank die Hintergründe dieser Entscheidung.

 

Der Lumpenball war eine Institution. Warum wird er 2020 nicht mehr stattfinden?

Grünewald: Sie können uns glauben: Der Vorstand und der Verein haben sich diese Entscheidung nicht leicht gemacht. Aber als gemeinnützige Organisation haben wir eine Verantwortung unseren Mitgliedern gegenüber. Und der Ball ist zuletzt zu einem finanziellen Risiko für uns geworden.

Frank: Veranstaltungen sind für einen Verein wie den TV Königshofen ja kein Selbstzweck. Es geht darum, über solche gesellschaftlichen Events Geld einzunehmen, das anschließend in den sportlichen Bereich – und damit auch in viele gesellschaftliche Aufgaben wie Integration und Gesundheitsförderung – investiert werden kann. Das war zuletzt nicht mehr der Fall.

Seit wann hat sich diese Entwicklung abgezeichnet?

Frank: Das war ein schleichender Prozess. Bis vor etwa zehn Jahren war die Tauber-Franken-Halle an jedem Lumpenball so voll, dass ein Durchkommen kaum möglich war. Seither sind die Besucherzahlen nach und nach zurückgegangen.

Grünewald: Wir haben viel versucht: diverse Bands ausprobiert, auf Mottos gesetzt, vergünstigte Eintrittspreise angeboten, den Termin von Rosenmontag auf Faschingssamstag verändert. Nichts hat wirklich geholfen, der Aufwand war aber weiterhin enorm, die entstehenden Kosten auch.

Für Außenstehende: Warum ist eine Veranstaltung wie der Lumpenball so aufwändig und teuer?

Grünewald: Zum einen hat man heute enorme Fixkosten. Man braucht schon sehr viele zahlende Besucher, um allein die Kosten für Bands, Gema, Hallengebühren und Security wieder reinzuspielen. Verdient hat man dann noch nichts.

Frank: Außerdem braucht man extrem viele Leute, um so eine Veranstaltung stemmen zu können: Die Halle muss geschmückt, die Bar aufgebaut werden. Man muss Anzeigen und Eintrittskarten erstellen, Flyer verteilen, Getränke einkaufen, Essen vorbereiten, ausschenken, aufräumen, abrechnen – und das alles ehrenamtlich. Das ist zum Teil echte Plackerei, die wir unseren vielen Helfern nicht mehr zumuten wollen, wenn hinten nicht genug rauskommt.

Das heißt aber auch, dass der Verein jahrelang an der Veranstaltung verdient hat.

Frank: Natürlich. Mit dem Geld sind die damaligen Vorsitzenden aber nicht in Urlaub gefahren! Wir haben das in den laufenden Betrieb investiert, insbesondere in den Erhalt unserer Halle, die das Herz unseres Vereins ist. Hier finden fast alle Sportangebote statt, ohne sie wäre der Verein quasi nicht existent.

Grünewald: Das wird uns auch in der Zukunft vor Herausforderungen stellen, denn die Kosten bleiben ja und unsere Mitgliederzahl ist – zum Glück – eher konstant bis steigend. Wie wird das stemmen können, müssen wir noch sehen.

Plant der TV Königshofen eine Alternativveranstaltung zum Lumpenball?

Grünewald: Das wissen wir derzeit noch nicht. Mit dem Turnerball haben wir ja einen weiteren Faschingsball, der – auf deutlich geringerem Niveau – auch relativ konstante Besucherzahlen hat. Ob wir 2020 dann zusätzlich noch etwas Neues wagen, müssen wir sehen. Das hängt auch davon ab, wie viele Menschen bereit sind, sich einzubringen. Wir sind für Ideen und Unterstützung dankbar und offen!

Mit dem Wegfall des Lumpenballs wird dem Veranstaltungskalender der Stadt ein wichtiger Teil fehlen. Lassen Sie uns nochmal teilhaben an Ihrer schönsten Lumpenball-Erinnerung.

Frank: Für mich war das sicher der Lumpenball, an dem wir Handballer bei der Maskenprämierung mitgemacht und im Vorfeld Kostüme zum Motto Asterix und Oberlix gebastelt haben. Ich erinnere mich aber auch gut an meinen ersten Lumpenball als Jugendlicher. Ich hatte mit anderen Jugendlichen den ganzen Tag gestuhlt und Getränke verräumt, um am Ende eine Freikarte für abends zu bekommen!

Grünewald: Die wohl speziellste Erinnerung ist eine sehr frühe! Ich war gerade erst sechs Jahre alt und meine Mutter hatte sich als dicker Mann, mein Vater als dürre Bauersfrau maskiert. Mich steckten sie als „pausbackiges Baby“ mit einer Maske versehen in einen alten, klapprigen Kinderwagen.  Zum Schutz vor neugierigen Blicken hatte ich eine Milchflasche und bei jedem Blick in den Wagen habe ich gespritzt. Ich war furchtbar aufgeregt, doch ich fand es ganz toll, bei solch einem Ereignis mit von der Partie zu sein!